Biomechanik – was ist das eigentlich? Rein wissenschaftlich betrachtet, ist die Biomechanik die Lehre von der biologischen Fortbewegung. Sie untersucht also die Vorgänge innerhalb organischer Bewegungsapparate. In der Sciencefiction-Literatur bedeutet Biomechanik die Verbindung zwischen Mensch und Maschine.

 

Wie genau funktionieren Muskeln, wie bewegen sie sich und den Körper unter der Haut im Zusammenspiel mit dem Skelett, also den Gelenken, den stützenden Knochen usw.? In der SF-Literatur (und diversen anderen Bereichen) versteht man darunter aber auch die Verbindung zwischen Mensch und Maschine, also den Einsatz künstlicher (meist mechanischer) Ersatz- oder Ergänzungsteile am oder im menschlichen Körper. Bei der Tätowierung schließlich spricht man von Biomechanik, wenn das Tattoo-Motiv zeigt, was generell unter der Haut vor sich geht. Das kann zwar auch die Darstellung von Muskelapparaten sein, aber wesentlich häufiger ist es die Verbindung des Menschen mit etwas anderem: Oft wächst scheinbar etwas Fremdes unter der Haut oder bricht daraus hervor. Die Strukturen sind mal metallisch, mal Giger-artig organisch , mal sieht man ganze Gestalten oder komplette Maschinen. All dies ist für den Tätowierer biomechanisch, wenn auch meist gerade die Verbindung zwischen Mensch und Maschine im Vordergrund der Biomechanik steht.

 

Die abartige und gleichsam faszinierende, kreatürliche Symbiose aus Mensch und chromblitzender Maschine, geschaffen von »Alien«-Schöpfer H. R. Giger. Biomechanische Tattoos zu beschreiben ist gar nicht so einfach. Daran haben sich schon Kunstkritiker versucht, und sind kläglich gescheitert.

Der Schweizer Künstler ist Ende der 70er Jahre am Design der Ausstattung solcher Kultfilme wie »Dune – Der Wüstenplanet« oder »Alien« beteiligt. Die dafür von ihm geschaffene, kreatürliche Symbiose aus Mensch und chromblitzender Maschine setzt er auch in populären Zeichnungen und Airbrush-Bildern um. Das wirkt abartig. So soll es auch sein. Maschinen wirken wie in die menschlichen Organe transplantiert. Kabel verlaufen durch den Kopf. Rohre in die Genitalien.

Die sexuellen, phallischen, morbiden, agilen, surrealistischen und doch beängstigend realistischen Zukunftsphantasien stoßen dank ihrer Verbindung mit der natürlichen Biologie des Menschen bei den Tätowierern auf viel Resonanz. Da klaffen plötzlich Oberschenkel auf, und es blitzt das Räderwerk eines Terminators darunter hervor.

Oder es hängen einfach nur die Kabel heraus...